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WILLKOMMEN IN DER WELT DER LICHTER

Schmelzen, giessen, dekorieren: Die Wetzikerin Marlies Jauk kreiert aus abgebrannten Kerzen neue. Finanziell lohne sich dies nicht, sie tue es aus Leidenschaft.

Bericht von Robin Bisping. Ausgabe REGIO vom 09.07.2015

Marlies Jauk arbeitet auch nach ihrer Pension noch weiter: Sie recycelt Kerzen. Bild: Robin Bisping

Marlies Jauk arbeitet auch nach ihrer Pension noch weiter: Sie recycelt Kerzen. Bild: Robin Bisping

Marlies Jauk recycelt Kerzen. Sie sammelt alte Stummel von Bekannten und umliegenden Restaurants, schneidet deren Docht weg und gibt das gewonnene Wachs in ein heisses Wasserbad. Anschliessend giesst sie ihn geschmolzen in eine Form. «Ich brauche zwei Tage, bis eine Kerze fertig ist», sagt Jauk. Sie fertige oft gleich mehrere parallel an und produziere so wöchentlich bis zu einem Dutzend Kerzen. Kleiner Nebenverdienst Marlies Jauk verkauft eine garnierte Kerze zu einem Preis von Fr. 17.50. «Darin stecken bis zu 40 Stummel – und ganz viel Liebe», sagt sie. Wöchentlich kreiert sie rund ein Dutzend Kerzen, vom Erlös könne sie die Materialkosten gerade decken und habe noch ein klein wenig Geld für sich selbst übrig. Die Tätigkeit führe sie deshalb nicht wegen des Gelds, sondern aus Leidenschaft aus: «Kerzen sind ein Licht für die Welt.» Diesen Satz wiederholt sie mehrmals. Er ist ihr Motto. Im Sommer sei die Nachfrage deutlich kleiner. Sie verstehe das nicht, Kerzen seien doch zu jeder Jahreszeit passend. «Bei mir brennen im Sommer genauso viele Kerzen wie im Winter.»

Alles muss perfekt sein Jauk ist in Ettenhausen bei Wetzikon aufgewachsen, heute lebt sie in Kempten. Früher arbeitete sie für Parkinson Schweiz, heute ist sie pensioniert. Sie fühle sich aber zu jung, um sich zurückzulehnen, sagt sie. «Ich habe noch viele Ideen.» Leider sei sie eine Perfektionistin, deshalb dauere alles länger. «Ich brauchte beispielsweise ein halbes Jahr, bis ich eine schöne Etikette für die Kerzenverpackungen fand.» Auch gelängen Jauk nicht alle Kerzen, einige hätten Fehler. Diese verschenke sie ihren Kunden und Lieferanten oder verbrauche sie selbst. «In seltenen Fällen schmelze ich frische Kerzen wieder ganz ein.» Farbenfrohes Sortiment Die recycelten Kerzen sind bunt – etwas gar bunt sogar. «Ich mische immer neue Farbe hinzu, anders wäre diese Reinheit nicht möglich», bestätigt Jauk. Bei weissen Kerzen müsse sie sogar noch Wachs hinzukaufen, damit die Kerzen auch wirklich weiss würden. Zurzeit verkauft Jauk Kerzen, die mit Bienen und Schmetterlingen garniert sind. «Ganz saisonal», sagt sie. Eine andere Kerze ähnelt einem Herz. «Ich kreierte diese für den Valentins- und den Muttertag.» Aus Abfall Neues schaffen «Ich finde die Idee schön, aus Abfall etwas Neues zu kreieren », sagt Jauk. Ihre Faszination stamme von einer Bekannten, die dies praktizierte. Vor einem Jahren begann sie dann selbst mit dem Kerzengiessen. Das sei nicht einfach gewesen: «Bei Fragen zum Docht blocken alle Fachleute ab. Er ist ihr Geheimnis », sagt sie. Denn je nach Dicke und Machart der Schnur brenne eine Kerze besser oder schlechter. Jauk konnte sich dennoch das Fachwissen aneignen. Heute sehe sie dem Wachs an, ob er gut oder schlecht sei.

Marlies Jauk: „Kerzen sind ein Licht für die Welt. Ich bin vom Wunsch geleitet, schönes zu gestalten.”